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Kann ChatGPT ein Leistungsverzeichnis erstellen?
Stand: 22. Oktober 2026 · Lesezeit etwa 6 Minuten
Ein allgemeines Sprachmodell wie ChatGPT kann Positionstexte formulieren, gliedern und überarbeiten. Ein prüffähiges Leistungsverzeichnis mit KI erstellen kann es allein nicht: Ihm fehlen belastbare Mengen aus dem Plan, ein nachvollziehbarer Rechenweg und die Bindung an geprüfte Texte. Die Verantwortung bleibt in jedem Fall beim Planer. Dieser Beitrag ordnet sachlich ein, wofür sich KI im LV eignet und worauf Sie bei KI-Werkzeugen achten sollten.
Was kann ein Sprachmodell beim Leistungsverzeichnis?
Sprachmodelle sind stark im Umgang mit Text. Für die Arbeit am Leistungsverzeichnis heißt das:
- Vorhandene Positionstexte umformulieren, kürzen oder vereinheitlichen.
- Eine Gliederung für ein Gewerk vorschlagen, etwa Wände, Decken, Zulagen.
- Vorbemerkungen entwerfen, die das Büro anschließend fachlich prüft.
- Texte auf Widersprüche oder fehlende Angaben durchsehen, zum Beispiel ob jede Position eine Einheit hat.
- Fachfragen erklären, mit dem Vorbehalt, dass die Antwort geprüft werden muss.
Das ist echte Hilfe bei der Schreibarbeit. Der aufwendige Teil eines LVs ist aber selten der Text, sondern die Menge und die Frage, welche Leistung an welcher Stelle gebraucht wird.
Was kann ein allgemeines Sprachmodell nicht?
Mengen aus dem Plan ermitteln
Ein Leistungsverzeichnis braucht Vordersätze, also Mengen. Die HOAI verlangt in der Leistungsphase 6, Mengen auf der Grundlage der Ausführungsplanung zu ermitteln (Anlage 10 HOAI). Ein Chat-Modell, dem man einen Grundriss gibt, liefert Zahlen, die plausibel aussehen, aber ohne prüfbaren Weg entstehen. Ob eine Wand vergessen oder doppelt gezählt wurde, lässt sich so nicht feststellen. Eine Menge ohne Rechenweg ist für die Prüfung kaum mehr wert als eine Schätzung.
Geprüfte Texte garantieren
Sprachmodelle erzeugen Texte, die wahrscheinlich klingen. Sie können dabei Normen falsch wiedergeben, Systeme beschreiben, die es so nicht gibt, oder Anforderungen vermischen. Ein Positionstext ist aber Teil des Bauvertrags. Er muss eindeutig sein und zum gewählten System passen. Ein frei erzeugter Text muss deshalb Zeile für Zeile geprüft werden.
Haftung übernehmen
Das Leistungsverzeichnis ist Vertragsgrundlage für Angebot, Auftrag und Abrechnung. Fehler in Text oder Menge führen zu Nachträgen, im schlimmsten Fall zu Ansprüchen gegen den Planer. Diese Verantwortung lässt sich nicht an ein Werkzeug abgeben. Wer KI nutzt, braucht deshalb einen Prüfweg, der in vertretbarer Zeit zu einer Unterschrift führt.
Vertraulichkeit von selbst sicherstellen
Pläne und Leistungsverzeichnisse enthalten Daten des Bauherrn, oft auch Namen und Anschriften im Plankopf. Wer sie in einen allgemeinen Chat-Dienst lädt, sollte wissen, wo die Daten verarbeitet werden, ob sie zum Training genutzt werden und ob ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO besteht. Bei vielen frei zugänglichen Diensten ist das für ein Büro nicht ausreichend geregelt.
Worauf sollten Planer bei KI-Werkzeugen für LVs achten?
Spezialisierte Werkzeuge für Leistungsverzeichnisse unterscheiden sich stark. Diese Fragen helfen bei der Auswahl, unabhängig vom Anbieter:
| Prüffrage | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Hat jede Menge einen Rechenweg bis zu Raum und Bauteil? | Nur dann lässt sich eine Menge prüfen, ohne sie neu zu messen. |
| Werden Lücken sichtbar, oder wird still eine Null eingesetzt? | Was der Plan offenlässt, muss als Frage erscheinen. Eine stille Null wird später zum Nachtrag. |
| Stammen die Positionen aus vorhandenen Texten oder werden sie frei erzeugt? | Texte aus dem eigenen Positionsstamm oder aus Herstellerkatalogen sind bekannt und geprüft. Frei erzeugte Texte müssen erst geprüft werden. |
| Wo werden Pläne und KI-Anfragen verarbeitet? | Serverstandort, Ort der KI-Verarbeitung, Nutzung zum Training und Auftragsverarbeitungsvertrag entscheiden, ob Sie Bauherrendaten hochladen dürfen. |
| Wer gibt frei? | Ein Ergebnis sollte ausdrücklich als Vorschlag gelten, bis ein Mensch es geprüft und abgezeichnet hat. |
| Was passiert beim neuen Planstand? | Mengen sollten sich gezielt aktualisieren lassen, ohne dass geprüfte Entscheidungen verloren gehen. |
| Welche Formate kommen heraus? | Ein Export als GAEB DA XML führt das LV in die vorhandene AVA-Software, Excel und Word in die eigene Ablage. |
Misstrauisch machen sollten Versprechen ohne Prüfweg: ein fertiges LV ohne Rechenweg, Zeit- oder Genauigkeitsangaben ohne nachvollziehbare Messung, oder Texte, deren Herkunft niemand nennen kann.
Wie sieht ein sinnvoller Einsatz von KI im LV aus?
Bewährt hat sich eine Aufteilung nach Stärken. Zahlen entstehen nachvollziehbar aus dem Plan und lassen sich bis zum Bauteil zurückverfolgen. Positionen werden aus vorhandenen, geprüften Texten ausgewählt, nicht neu erfunden. KI hilft dort, wo es um Zuordnung und Sprache geht: welche vorhandene Position zu einer Wand oder Oberfläche passt, wo eine Angabe fehlt, wie ein Hinweis formuliert wird. Am Ende steht ein Mensch, der prüft, ergänzt und abzeichnet.
So bleibt die Arbeitsteilung klar: Das Werkzeug bereitet vor, das Büro entscheidet. Das passt auch zu einer verbreiteten Sorge unter Planern, Ergebnisse von KI ungeprüft zu übernehmen. Die Antwort darauf ist nicht weniger Prüfung, sondern eine Prüfung, die schnell zum Ziel kommt, weil jede Zahl ihren Weg zeigt.
Ein Beispiel: dieselbe Menge, zwei Wege
Angenommen, ein Grundriss enthält zwei Trennwände desselben Typs. Ein allgemeines Chat-Modell antwortet auf die Frage nach der Wandfläche etwa mit „ca. 42 m²“. Ob darin beide Wände stecken, welche Höhe angesetzt wurde und ob Türen abgezogen sind, bleibt offen. Ein prüfbarer Massenauszug zeigt stattdessen: „W1 5,00 m + W2 8,00 m = 13,00 m × 3,20 m = 41,60 m²“. Die Zahl ist fast gleich, der Unterschied liegt in der Prüfbarkeit: Im zweiten Fall sehen Sie sofort, ob eine Wand fehlt oder die Höhe nicht stimmt. Das Beispiel ist frei erfunden.
Was sagt das Recht zu KI im Leistungsverzeichnis?
Ein eigenes Gesetz für KI im Leistungsverzeichnis gibt es nicht. Es gelten die bekannten Regeln: Die Leistungsbeschreibung muss so klar sein, dass alle Bieter sie gleich verstehen und sicher kalkulieren können; für öffentliche Auftraggeber regelt das § 7 VOB/A. Der Planer schuldet ein mangelfreies Werk nach seinem Vertrag. Für die Verarbeitung personenbezogener Daten gilt die DSGVO. Ob ein Text von Hand oder mit Werkzeug entstanden ist, ändert an diesen Pflichten nichts.
Wie bq nexus damit umgeht
Kein Textgenerator: bq nexus bereitet aus DWG- und DXF-Plänen Massenermittlung und einen LV-Vorschlag vor. Die Positionen stammen aus Herstellerkatalogen oder dem Positionsstamm des Büros, jede Menge kommt mit Rechenweg bis Raum und Wand, Lücken stehen orange im LV. Server in Deutschland, KI in der EU oder je Büro und Projekt lokal. Ein Mensch prüft und zeichnet ab.
Häufige Fragen
Kann ChatGPT ein Leistungsverzeichnis erstellen?
Es kann Positionstexte formulieren und gliedern, aber kein prüffähiges Leistungsverzeichnis allein erstellen. Es fehlen belastbare Mengen mit Rechenweg und die Bindung an geprüfte Texte. Jedes Ergebnis muss der Planer vollständig prüfen.
Wer haftet, wenn ein KI-Werkzeug im LV einen Fehler macht?
Gegenüber dem Bauherrn bleibt der Planer verantwortlich, der das Leistungsverzeichnis aufstellt und herausgibt. Ein Werkzeug ändert daran nichts. Deshalb sollte jedes Ergebnis ein Vorschlag sein, den ein Mensch prüft und abzeichnet.
Darf ich Pläne in ChatGPT hochladen?
Das hängt vom Vertrag mit dem Bauherrn, den Daten im Plan und den Bedingungen des Dienstes ab. Prüfen Sie, wo die Daten verarbeitet werden, ob sie zum Training genutzt werden und ob ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO möglich ist.
Kann KI Mengen aus einem Grundriss ermitteln?
Spezialisierte Werkzeuge können Mengen aus Plänen ermitteln. Entscheidend ist, dass jede Menge einen Rechenweg bis zu Raum und Bauteil hat und fehlende Angaben als Lücke erscheinen. Ein allgemeines Chat-Modell liefert dagegen Zahlen ohne prüfbaren Weg.
Ersetzt KI die Leistungsphase 6?
Nein. Die Grundleistungen der Leistungsphase 6 bleiben Aufgabe des Planers. KI-Werkzeuge können Mengen und Positionen vorbereiten, die Prüfung, die Abstimmung der Schnittstellen und die Freigabe bleiben beim Büro.
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